Hanf. Cannabis sativa, Cannabis indica Maulbeergewächse (Rp, Btm)

 

Hanf

Hanf

Hanf – selten gab es eine so umstrittene Pflanze wie diese. Für die einen gefährlicher Genussrausch, für die anderen Götter-Milch an der Wiege zur Zivilisation: Hanf als Schamanenpflanze für die Reise in die unsichtbare, innere Welt und Hanf als gefürchtete Abstiegsdroge in die Kriminalität. Hanf ist eine der vielseitigsten Pflanzen und kann mehr als kleine Kifferträume erfüllen. Hanf prägte in der Antike Ansehen und Wohlstand vieler Völker, liefert Material für Seile, Netze, Stoffe und Papier. Aus alten Pyramidenschriften ist von Waschungen mit gemahlenen Samen bei Glaukom zu lesen. Die erste Gu­tenberg-Bibel, die übrigens hervorragend erhalten ist wurde auf Hanfpapier gedruckt, und darin ist die Verwendung von Hanf bei Geburtsschmerzen beschrieben. HILDEGARD VON BINGEN empfiehlt diffe­renziert die Anwendung von Hanf, der berühmte Arzt AVICENNA reichte Hanf gegen Kopfschmerzen. In Rußland galt ein Inhalat mit Hanfsamen als einzig wirksames Mittel gegen Zahnschmerzen, und das Einreiben mit dem Samenöl als wirksam bei Gicht- und Rheumaschmerz.

Die Gattung Hanf gehört (wie Hopfen und Feige) zur Familie der Maulbeergewächse, den Moraceen. Das wirksame Haschisch wird von den weiblichen blühenden Hanfpflanzen durch Abstreifen des Har­zes der gerade fruchtenden Zweigspitzen gewonnen (Marihuana). In den Deckblättern der Blüten ist der als berauschend bekannte THC-Gehalt am höchsten.

Inhaltsstoffe: THC (trans-Delta-9-Tetrahydro-cannabinol), ätherische Öle, Zucker, Flavonoide, Alka­loide sowie Chlorophyll.

Wirkungen: Angstlösend, antidepressiv, euphorisierend, stimulierend, schmerzlindernd, muskelent­spannend, antiepileptisch, bronchienerweiternd, blutdrucksenkend und stimmungsaufhellend. Wissen­schaftliche Studien haben bewiesen, dass der Hanf eindeutig als bestens verträgliches und wirkungs­volles Mittel zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen gilt, und sie konnten die schmerzlindernden und krampfstillenden Eigenschaften bei Muskelanspannungen und Kopfschmerzen nachweisen. Hanf als Medizin führt zu einer deutlichen Senkung des Augeninnendrucks sowie zu einer wohltuenden Steigerung von Appetit und Stimmung bei schweren Erkrankungen. Die psychoaktive Stimmungsver­änderung, ein meist euphorischer Zustand mit intensivierter Sinneswahrnehmung, ist gewollt und be­gehrt oder als unerwünschte Nebenwirkung anzusehen.

Indikationen: Angstzustände, Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie, chronische Schmerzen; Spasmen (schmerzhafte Muskelanspannung), Multiple Sklerose, Asthmakrämpfe, Kopfschmerzen, Glaukom und Herpesviren.

Darreichungsformen: Präparate (Dronabinol: macht nicht süchtig!), Joints, Gebäck, Getränk, Tink­tur.

Tagesdosis: Die psychoaktiv sowie die analgetisch wirksame Dosis liegt bei 4-8 mg (lt. Rätsch). Für Dronabinol (Cannabinoid): einschleichende Dosierung von 2 x 2,5 mg oder 2 x 5 mg orales Dronabi­nol; Steigerung bis auf 5 x 10 mg pro Tag möglich. Zur Appetitsteigerung 2 x 2,5 mg; bei Spastik und Schmerzen 7,5-10 mg. Gemäß Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung liegt die Verordnungs­höchstmenge für Dronabinol bei 500 mg innerhalb 30 Tagen. Die Aufnahme der wirksamen Stoffe geschieht beim Rauchen (eines Joints) sehr viel schneller als oral.

Nebenwirkungen: Gelegentlich Unruhe, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Appetitstörung. Der Rauschzu­stand ist abhängig von der Dosierung, der Qualität der Präparate und der Disposition und dem Charak­ter des Empfängers. Bei mäßigem „Genuss” kommt es zu keinen Schäden.

Gegenanzeigen: Bei kardialen Vorerkrankungen und schwerwiegenden psychiatrischen Diagnosen.   Eine Abhängigkeitsentwicklung weist eher auf eine vorab bestehende psychosoziale Störung hin. Präparate: Dronabinol (verschreibungspflichtig)