Stinkender Storchenschnabel – Ruprechtskraut mit langer Heiltradition

Der Stinkende Storchenschnabel (Geranium robertianum) zählt zu den eher unscheinbaren Wildpflanzen unserer Heimat. Zwischen Mauern, Hecken und schattigen Waldwegen fällt er oft erst auf den zweiten Blick auf. Dabei wurde das Ruprechtskraut über Jahrhunderte als Heilpflanze geschätzt und spielte in der europäischen Volksheilkunde eine bedeutende Rolle. Besonders sein hoher Gerbstoffgehalt machte die Pflanze zu einem geschätzten Begleiter bei verschiedenen Beschwerden.

Woran erkennst du den Stinkenden Storchenschnabel?

Der Stinkende Storchenschnabel gehört zur Familie der Storchenschnabelgewächse (Geraniaceae).

Typische Merkmale:

  • rosafarbene bis purpurrote Blüten mit fünf Blütenblättern
  • rötlich gefärbte Stängel
  • weich behaarte, tief eingeschnittene Blätter
  • kräftiger, würziger Geruch beim Zerreiben
  • Wuchshöhe von 20 bis 50 cm
  • Blütezeit von Mai bis Oktober

Seinen Namen verdankt er den langen, schnabelartigen Früchten, die an den Schnabel eines Storches erinnern.

Warum heißt er Ruprechtskraut?

Der Name Ruprechtskraut geht vermutlich auf den heiligen Rupert von Salzburg zurück. Bereits im Mittelalter wurde die Pflanze in Klostergärten kultiviert und vielfältig genutzt. In alten Kräuterbüchern findet sich das Ruprechtskraut als Heilpflanze für innere und äußere Anwendungen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

Das blühende Kraut enthält unter anderem:

  • Gerbstoffe (Ellagitannine)
  • Flavonoide
  • Bitterstoffe
  • organische Säuren
  • geringe Mengen ätherischen Öls

Vor allem die Gerbstoffe prägen die traditionellen Anwendungen der Pflanze.

Welche Eigenschaften werden dem Ruprechtskraut zugeschrieben?

Traditionell wird der Stinkende Storchenschnabel beschrieben als:

  • adstringierend (zusammenziehend)
  • entzündungshemmend
  • leicht blutstillend
  • antioxidativ (aufgrund seiner Inhaltsstoffe)

In der Volksheilkunde wurde das Kraut innerlich bei leichten Durchfällen sowie äußerlich bei kleinen Wunden und entzündeten Schleimhäuten verwendet.

Hinweis: Für Geranium robertianum existiert derzeit keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA/HMPC) oder der ESCOP. Die Anwendungen beruhen auf traditioneller europäischer Volksheilkunde.

Ruprechtskraut in der Volksheilkunde

Über viele Generationen hinweg wurde das Ruprechtskraut vielseitig eingesetzt.

Traditionell verwendete man es:

  • als Tee
  • zum Gurgeln
  • für Waschungen
  • für Umschläge
  • für Sitzbäder

Vor allem seine zusammenziehenden Eigenschaften machten die Pflanze zu einem geschätzten Hausmittel.

 

Ruprechtskraut und Kinderwunsch
Eine heute kaum noch bekannte Überlieferung stammt aus der europäischen Volksheilkunde.

In einigen Regionen wurde Ruprechtskraut Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch empfohlen. Man ging davon aus, dass die Pflanze den weiblichen Organismus stärken und das natürliche Gleichgewicht fördern könne.

Diese Anwendung beruht ausschließlich auf volksheilkundlicher Erfahrung und historischen Überlieferungen. Wissenschaftliche Studien, die eine Wirkung auf die Fruchtbarkeit belegen, liegen derzeit nicht vor. Deshalb wird diese Anwendung heute als traditionelles Pflanzenwissen betrachtet und nicht als wissenschaftlich gesicherte Therapie.

 

Kulinarische Verwendung

Der Stinkende Storchenschnabel wird nur selten in der Küche verwendet.

Essbar sind:

  • junge Blätter
  • junge Triebspitzen

Sie besitzen einen leicht bitteren, würzigen Geschmack und eignen sich nur in kleinen Mengen für Wildkräutersalate oder Kräuterquark.

Eine umfangreiche kulinarische Tradition ist für diese Pflanze nicht überliefert.

Wildkräuterquark mit Ruprechtskraut

Zutaten

  • 250 g Quark
  • einige junge Ruprechtskrautblätter
  • Schnittlauch
  • Petersilie

Salz Pfeffer etwas Zitronensaft

Zubereitung

Die jungen Blätter fein hacken und mit den übrigen Zutaten verrühren.

Aufgrund ihres kräftigen Aromas sollte Ruprechtskraut nur sparsam verwendet werden.[/su_service]

 

Erntezeit

Blühendes Kraut: Mai bis Oktober

Verwendet wird

Vor allem das blühende Kraut, seltener die jungen Blätter.

Vorkommen

Schattige Wälder, Hecken, Mauern, Wegränder, Schuttplätze und nährstoffreiche Böden.

 

Mein Tipp
Der intensive Geruch des Ruprechtskrauts ist sein sicherstes Erkennungsmerkmal. Zerreibe vorsichtig ein Blatt zwischen den Fingern – so lässt sich die Pflanze gut von anderen Storchenschnabel-Arten unterscheiden.

 

Der Stinkende Storchenschnabel gehört zu den fast vergessenen Heilpflanzen unserer Heimat. Sein hoher Gerbstoffgehalt machte ihn über Jahrhunderte zu einer geschätzten Pflanze der Volksheilkunde. Auch wenn seine medizinische Bedeutung heute in den Hintergrund gerückt ist, lohnt es sich, diese traditionsreiche Wildpflanze wiederzuentdecken – als Heilpflanze, als Teil unserer Kulturgeschichte und als interessante Bereicherung der heimischen Flora.

 

Weitere Info´s:

Stinkender Storchenschnabel (geranium robertianum l.)

 

 

Quellen

Botanik und Inhaltsstoffe

  • Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  • Blaschek, W. et al.: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis.
  • HagerROM – Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen.

Traditionelle Verwendung

  • Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel.
  • Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen.
  • Barnes, J.; Anderson, L.; Phillipson, J.: Herbal Medicines.

Volksheilkundliche Überlieferung (Kinderwunsch)

  • Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel.
  • Marzell, H.: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen.
  • Bocksch, M.: Unsere Heilpflanzen in der Volksheilkunde.

Kulinarische Verwendung

  • Couplan, F.: Essbare Wildpflanzen Europas.
  • Künkele, U.; Lorenz, R.: Essbare Wildpflanzen.

Hinweis zur Quellenlage: Für Geranium robertianum existiert derzeit keine HMPC-/EMA- oder ESCOP-Monographie. Die beschriebenen medizinischen Anwendungen beruhen überwiegend auf traditioneller europäischer Volksheilkunde und den pharmakologischen Eigenschaften der enthaltenen Gerbstoffe. Die Anwendung bei Kinderwunsch ist ausschließlich historisch und volksheilkundlich überliefert; ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis liegt nicht vor.

 

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