Die Südseebewohner genießen seit Jahrhunderten den Kava-Trunk als euphorisierendes, diskussionsanregendes Getränk für rituelle Zusammenkünfte. Dort wird die Wurzel zerkleinert, zerstoßen und gekaut, bis ein milchig-trüber Brei entsteht; dabei erfolgt eine enzymatische Spaltung durch den Mundspeichel, die erst die volle Wirkung erzeugt. Danach sind die Eingeboren entspannt, erfrischt und beruhigt. Sie fühlen sich zufrieden und behaglich und vor allem von Angst befreit. Als 1771 der britische Weltumsegler JAMES COOK (1728-1779) von seiner ersten Südseereise zurück kam, erreichten seine Berichte den Forscher J.G. FORSTER. Forster nahm an der zweiten Expedition an den Stillen Ozean teil, um Kava Kava ausführlich zu erforschen, und verfasste darauf hin die erste Literatur über die Pflanzenwelt der Südsee. Ihm zu Ehren trägt die Pflanze seinen Namen: Piper methysticum Forster. „Kava” ist polynesisch und heißt: scharf oder bitter. Wer einmal die Wurzeln pur probiert hat, weiß warum. Der Gattungsname Piper könnte aus einer Verstümmelung des Sanskritwortes „pippali” entstanden sein und bedeutet Pfeffer. Methysticum stammt vom griechischen „methyskomai” und heißt „berauschen”. Die wortgetreue Übersetzung Rauschpfeffer verleitet zu der irreführenden Annahme, Kava Kava sei ein Rauschmittel. In der richtigen Dosierung aber wirkt der Rauschpfeffer keinesfalls berauschend, sondern er entspannt und regt zugleich geistig an.
Vor allem aber ist Kava Kava ein pflanzliches Anxiolytikum und wurde bis vor kurzem bei Angst-Störungen leichter bis mittelgradiger Ausprägung mit Erfolg eingesetzt. Dann aber wurde Kava-Kava von der BfArM vom Markt genommen unter der Begründung, hepatotoxische Reaktionen auszulösen, deren Schwere über ein vertretbares Maß hinausgehe und dem keine hinreichende therapeutische Wirksamkeit gegenüber stehe: ein Arzneimittelskandal. Der Skandal ist allerdings anders gelagert, denn bei genauem Hinschauen entpuppten sich die Vorwürfe als haltlos. Außerdem haben die synthetischen Alternativen (denn Kava-Kava ist das einzige pflanzliche Anxiolytikum) ein weitaus höheres Nebenwirkungsprofil. Die Mitglieder der Kommission E nahmen dazu in einem Schreiben an das BfArM Stellung und forderten die Wiederzulassung von Kava-Kava unter folgenden Voraussetzungen: Verschreibungspflicht, klare Indikationsstellung, maximale Tagesdosen (120 mg Kava-Pyrone) uvm. Der Fall wird weiter überprüft, und es ist vorgesehen Kava-Kava wieder einzuführen. Inhaltsstoffe: Etwa 5 % Kava-Pyrone (Kava-Lactone, darunter Kavain, Dihydrokavain, Methysticin, Yangonin u.a.), Flavonoide, geringe Mengen ätherisches 01.
Wirkungen: Kava Kava wirkt als Tranquilizer ausgleichend und angstlösend, stimmungsausgleichend, leicht euphorisierend, schmerzlindernd, muskelrelaxierend und schlaffördernd. Im Gegensatz zu Benzodiazepinen bleibt trotz der beruhigenden und angstlösenden Wirkung bei Kava-Kava die Konzentrationsfähigkeit und kognitive Fähigkeit erhalten. Zugleich lässt sich eine erhöhte geistige Aktivität und mehr Willenskraft feststellen, eine Verbesserung der zerebralen Informationsverarbeitung mit Verbesserung der Gedächtnisleistung und Steigerung der Aufmerksamkeit.
Indikationen: Nervöse Angst-, Spannungs- und Unruhezustände. Reizblase, Enuresis nocturna. Außerdem bei psychovegetative Beschwerden im Klimakterium, depressive Verstimmungen, Konzentrations-, Leistungs- und Gedächtnisschwäche. Auch bei Alkoholentzugserscheinungen, zur Examensvorbereitung, bei beruflichen Strapazen, Leistungsschwäche im Alter und seelischen Belastungen. Darreichungsformen: Fertigpräparate: derzeit nur homöopathische Präparate ab der D6 erhältlich! Tagesdosis: 60-120 mg Kavapyrone.
Nebenwirkungen: Bei länger dauernder Einnahme vorübergehende Gelbfärbung der Haut und Hautanhangsgebilde; in diesem Fall ist von einer weiteren Einnahme des Medikaments abzusehen. In seltenen Fällen allergische Hautreaktionen, Akkomodationsstörungen, Pupillenerweiterungen, Störungen des okulomotorischen Gleichgewichts. Das Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch die Sehleistung und das Konzentrationsvermögen im Straßenverkehr oder bei der Bedienung von Maschinen beeinflussen. Bei Überdosierung kommt es zu zentralnervösen Dämpfungserscheinungen mit Relaxation der Skelettmuskulatur.
Gegenanzeigen: Schwangerschaft, Stillzeit, endogene Depressionen (Kontraindikation, weil die Patienten durch die Wirkung von Kava-Kava den „Mut” zum Selbstmord aufbringen könnten). Hinweis: Eine Wirkungsverstärkung von zentral wirksamen Substanzen wie Alkohol, Barbituraten und Psychopharmaka ist möglich. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3 Monate einnehmen. Präparate: am 14.6.2002 wurde die Zulassung für Kava-Kava widerrufen und alle Präparate vom Markt genommen (s.o.).
Teezubereitung: Keine, wird nur als Fertigpräparat verordnet.
Konunission E: Keine; aber eine positive ESCOP- und WHO-Monographie. (Früher: Nervöse Angst-, Spannungszustände

