Maiglöckchen Convallaria majalis Convalleriae herba (M)

Maigloeckchen

Maigloeckchen

Die Zwiebel der „Talrand-Lilie” (von convallis: hoher Talkessel“) steht unter Naturschutz; ein Sträuß­chen ohne die Wurzel aber darf sehr wohl gepflückt werden und verzaubert mit seinem Duft! Das Mai­glöckchen gehörte früher zu den 72 „Hexenkräutern” und war ein wichtiges Sympathiemittel und Sym­bol für „Glück in der Liebe”. Die Blätter sind durch den ausgeprägten Saponingehalt und trotz ihrer Gif­tigkeit Bestandteile des alten „Schneeberger Schnupftabak”, der durch starke örtliche Reizung heftiges Niesen verursacht: es soll „das Gehirn reinigen”. Medizinisch verwendet werden die getrockneten, wäh­rend der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile der Pflanze. Zur Blütezeit sind die herzwirksamen Glykoside in höchster Konzentration enthalten.

Inhaltsstoffe: Herzwirksame Glykoside (Convallatoxin, Convallatoxol u. a.) Steroidsaponine.

Wirkungen: Positiv inotrop, ökonomisiert die Herzarbeit, senkt den pathologisch erhöhten Venendruck, venentonisierend und aquaretisch, (auch natriuretisch, kaliuretisch). Der Wirkungseintritt ist rasch. Die Convallaria-Glykoside sind schwächer als die der Meerzwiebel und für leichte Formen der Herzinsuffi­zienz geeignet. Sie kumulieren nicht, sind dadurch gut steuerbar und haben weniger Nebenwirkungen.

Indikationen: Herzinsuffizienz NYHA I-II, Herzneurosen, Altersherz und chronisches Cor pulmonale. Auch bei Digitalisüberempfindlichkeit (direkter Angriff am Myokard und fehlender Einfluss auf das Reizleitungssystem) und besonders zur Therapie von bradykarden und ödematösen Formen der Herzin­suffizienz.

Darreichungsformen: Fertigarzneimittel mit eingestelltem Maiglöckchenkrautpulver.

Tagesdosis: Mittlere Tagesdosis 0,6 g eingestelltes Maiglöckchenpulver (Pulvis normatus DAB); Zube­reitungen entsprechend.

Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen.

Gegenanzeigen: Therapie mit Digitalisglykosiden, Kaliummangelzustände.

Wechselwirkungen: siehe Adonisröschen.

Präparate: Convacard Drg., Valdig-N Bürger, Miroton forte Drg. (mit Adoniskraut, Meerzwiebel, Ole­anderblättern), Miroton N forte Drg. (mit Adoniskraut, Meerzwiebel), Convastabil (mit Weißdorn), Oxa­cant–forte N (mit Weißdorn, Adonisröschen, Königin der Nacht), Oxacant Khella N (mit Weißdorn, A-donisröschen, Zahnstocher-Ammei (Ammi visnaga), Königin der Nacht (Selenicerus grandiflorus ).

Kommission E: Leichte Herzinsuffizienz (bei Belastung; NYHA-Stadium II), Altersherz, chronisches Cor pulmonale.