Im Winter verzaubert die Zaubernuss mit ihren goldgelben Blüten die eintönige Winterlandschaft. Mag sein, dass die Pflanze deshalb Zaubernuss heißt, oder, weil die Zweige als Wünschelrute benutzt wurden? Der botanische Gattungsname „Hamamelis” stammt aus dem griechischen: „hamatos Melos”, das heißt „hakiger Apfel” und weist auf die Form der kleinen Früchte hin. „Virginiana” deutet auf die Herkunft aus Virginia/USA. Nur diese Zaubernussart wird medizinisch verwendet. Hamamelis gilt auch in der Wundheilung als Zauberpflanze: in Studien lagen die Therapieerfolge bei Neurodermitis vielfach im Bereich leichter Glukokortikoidgaben.
Inhaltsstoffe: Blätter: 3-8 % Gerbstoffe, Proanthocyanidine, Flavonoide, Kaffeesäurederivate, bis 5 % ätherisches Öl. Rinde: 8-12 % Gerbstoffe, freie Gallussäure, Ellagitannin, wenig Catechin-Gerbstoffe, bis 0,5 % ätherisches Öl.
Wirkungen: Adstringierend, entzündungshemmend, örtlich blutstillend und wundheilungsfördernd. Außerdem hemmt Hamamelis die Sekretion und die Kapillarpermeabilität, verdichtet das Gewebe, wirkt vasokonstriktorisch, mild oberflächenanästhesierend und juckreizstillend.
Indikationen: Akute und chronische entzündliche Hauterkrankungen, vor allem Ekzeme oder Neurodermitis schwacher bis mittlerer Ausprägung. Gerade bei Hauterkrankungen im Kindesalter hat sich die verträgliche und nebenwirkungsfreie Zaubernuss bewährt, bei Milchschorf, Neurodermitis und Psoriasis mit hartnäckigem, quälendem Juckreiz, bei Hautpilzerkrankungen, Windeldermatitis und entzündlichen Ausschlägen. Bei leichten Hautverletzungen, Abszessen, zur Wundheilung, bei Sonnenbrand und Verbrennungen, Ulcus cruris, Phlebitis. Zur Dammschnittpflege, bei Analfissuren, Hämorrhoiden, Entzündungen im Genitalbereich und Analekzeme.
Darreichungsformen: Hamamelisblätter und —rinde: Tee, Tinktur zur äußeren und inneren Anwendung. Frische Blätter und Zweige: Wasserdampfdestillat zur äußeren und inneren Anwendung. Hinweis: Bei Hamamelis-Fertigarzneimitteln mit wässrigen bzw. ethanolisch-wäßrigen Auszügen sind die adstringierenden Gerbstoffe vorherrschend, während das Wasserdampfdestillat gerbstofffrei ist und seine Wirksamkeit auf den ätherischen Ölen beruht. Eine abwechselnde Anwendung beider Darreichungsformen hat sich daher bewährt. Wasserdampfdestillat (Hamameliswasser) unverdünnt oder im Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnt zu Umschlägen u.a. einsetzen.
Tagesdosis: 5-10 g Droge (Umschläge, Spülungen). Zäpfchen: die einer Menge von 0,1-1 g Droge entsprechende Menge einer Zubereitung.
Nebenwirkungen/Gegenanzeigen: Nicht bekannt.
Präparate: Hametum: Extrakt Flüssigkeit, Creme, Wund- und Heilsalbe, derma-loges N Wund- und Heilsalbe (mit Arnika, Kamille, Perubalsam, Sonnenblumenöl).
Teezubereitung: Für Dekokte 5-10 g Droge auf 250 ml Wasser zu Umschlägen und Spülungen. Bäder mit gerbstoffhaltigem Dekokt: 20 g Droge mit 250 ml Wasser aufkochen, 15 Min. ziehen lassen, nach Abgießen dem Bad zugeben. 2-3 x tgl. Wunde baden.
Kommission E: Leichte Hautverletzungen, lokale Entzündungen der Haut- und Schleimhäute, Hämorrhoiden, Krampfaderbeschwerden.


