Nachtkerzenblüten – die goldenen Blüten der Nachtkerze entdecken

Nachtkerzenblüten – wenn sich der Sommer am Abend öffnet

Die Nachtkerze (Oenothera biennis) gehört zu den faszinierendsten Wildpflanzen des Sommers. Während andere Blüten ihre Kelche am Abend schließen, beginnt für sie erst der große Auftritt. Innerhalb weniger Minuten öffnen sich ihre leuchtend gelben Blüten und verströmen einen feinen Duft, der Nachtfalter und andere dämmerungsaktive Bestäuber anlockt.

 

Nachtkerze gerade aufgeblüht

Woran erkennst du die Nachtkerze?

Die Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika und wurde im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht. Heute ist sie an vielen sonnigen Standorten heimisch.

Typische Merkmale:

  • leuchtend gelbe Blüten mit vier herzförmigen Blütenblättern
  • Blüten öffnen sich erst gegen Abend
  • feiner, angenehmer Duft
  • aufrechter Wuchs bis etwa 150 cm
  • längliche Blätter
  • rötlich überlaufener Stängel
  • Blütezeit von Juni bis September

Wer an einem warmen Sommerabend eine Nachtkerze beobachtet, kann erleben, wie sich die Blüten innerhalb weniger Minuten vollständig entfalten – ein faszinierendes Naturschauspiel.

Gelbe Nachtkerzenblüte bei Nacht. Sie ist gerade aufgeblüht.

Warum blüht die Nachtkerze nachts?

Die Nachtkerze hat sich im Laufe ihrer Entwicklung an nachtaktive Bestäuber angepasst. Vor allem Nachtfalter werden vom hellen Gelb der Blüten und ihrem süßlichen Duft angezogen. Auch einige Wildbienen besuchen die Blüten am frühen Morgen.

Mit ihrem besonderen Blührhythmus leistet die Nachtkerze einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt.

 

Die Nachtkerzenblüten

Während in der Phytotherapie vor allem die Samen und das daraus gewonnene Nachtkerzenöl verwendet werden, sind die Blüten vor allem in der Wildkräuterküche beliebt.

Sie sind:

  • essbar
  • leicht süßlich im Geschmack
  • dekorativ
  • reich an Nektar

Sie eignen sich hervorragend als essbare Blüten für sommerliche Gerichte.

 

Traditionelle Verwendung

In der europäischen Volksheilkunde standen überwiegend die Wurzel und später das Samenöl im Mittelpunkt. Für die Blüten selbst ist keine eigenständige arzneiliche Anwendung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), ESCOP oder die Kommission E beschrieben.

Traditionell wurden die Blüten jedoch:

  • als essbare Blüten verwendet,
  • zu Blütensirup verarbeitet,
  • als dekorative Zutat in Salaten genutzt.

Viele dieser Anwendungen stammen aus der Volksheilkunde und der modernen Wildkräuterküche.

 

Nachtkerzenblüten in der Küche

Die frisch geöffneten Blüten verleihen vielen Gerichten eine besondere Note.

Sie passen hervorragend zu:

  • bunten Sommersalaten
  • Frischkäse
  • Kräuterbutter
  • Desserts
  • Blütenzucker
  • Sirup

Durch ihre leuchtend gelbe Farbe sind sie zudem eine wunderschöne essbare Dekoration.

 

Hustensirup aus Nachtkerzenblüten   

Die Blüten der Nachtkerze lassen sich zu einem milden Blütensirup verarbeiten. In der Volksheilkunde wurde ein solcher Sirup traditionell bei Husten und Heiserkeit verwendet.

Zutaten

 

  • 2 Handvoll frisch geöffnete Nachtkerzenblüten
  • 500 ml Wasser
  • 500 g Zucker
  • Saft einer Bio-Zitrone

Zubereitung

 

Die Blüten mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt etwa 24 Stunden ziehen lassen. Anschließend abseihen, den Auszug mit Zucker und Zitronensaft verrühren und vorsichtig erhitzen, bis sich der Zucker vollständig gelöst hat. Den Sirup heiß in sterilisierte Flaschen füllen.

Verwendung

Der Sirup kann traditionell löffelweise bei Husten und Heiserkeit verwendet oder als aromatische Zutat für Tee und Getränke genutzt werden.

Hinweis: Die Verwendung von Nachtkerzenblüten bei Husten beruht auf volksheilkundlicher Erfahrung. Wissenschaftliche Studien, die diese Anwendung belegen, liegen derzeit nicht in ausreichendem Umfang vor.

 

Erntezeit

Die Blüten werden von Juni bis September gesammelt.

Am schönsten und aromatischsten sind frisch geöffnete Blüten, die am Abend oder in den frühen Morgenstunden geerntet werden.

Verwendet wird

  • Blüten
  • junge Blätter
  • Wurzel des ersten Jahres
  • Samen (zur Ölgewinnung)

 

Vorkommen

Die Nachtkerze wächst bevorzugt an sonnigen Wegrändern, Böschungen, Bahndämmen, Schotterflächen und auf trockenen Ruderalstandorten. Sie liebt durchlässige, eher nährstoffarme Böden.

 

Mein Tipp
Wenn du die Möglichkeit hast, beobachte die Nachtkerze einmal kurz vor Sonnenuntergang. Das langsame Öffnen ihrer Blüten gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen unserer heimischen Pflanzenwelt.

Die Nachtkerzenblüten faszinieren nicht nur durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihren ungewöhnlichen Blührhythmus. Auch wenn heute vor allem das wertvolle Samenöl im Mittelpunkt der Naturheilkunde steht, bereichern die leuchtenden Blüten unsere Wildkräuterküche und machen warme Sommerabende zu einem ganz besonderen Erlebnis.

 

 

Quellen
Zur Botanik und Verwendung
Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Künkele, U.; Lorenz, R.: Essbare Wildpflanzen. Kosmos Verlag.
Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen. Gräfe und Unzer Verlag.
Zur arzneilichen Verwendung der Nachtkerze
European Medicines Agency (EMA): Community Herbal Monograph on Oenothera biennis L. and/or Oenothera lamarckiana L., oleum (Samenöl).
ESCOP Monographs: Evening Primrose Oil.
Blumenthal, M. (Hrsg.): The Complete German Commission E Monographs.
Hinweis zur Quellenlage
Die wissenschaftlich anerkannten Monographien der EMA, ESCOP und der Kommission E beziehen sich auf das Nachtkerzensamenöl. Für die Blüten existiert derzeit keine eigenständige arzneiliche Monographie. Kulinarische Anwendungen sowie die Herstellung von Blütensirup beruhen überwiegend auf traditioneller Verwendung und Erfahrungen aus der Wildkräuterküche.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.