Schafgarbe (Achillea millefolium L.)

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Synonyme:
Allheil, Barbarakraut, Bauchwehkraut, Feldgarbe, Garbenkraut, Gerwel, Grensing, Gotteshand, Gotteskraut, Heil aller Schäden, Hergottrückenkraut, Jungfernaugenbrauen, Kelke, Magaretenkraut, Neunkraft, Releke, Rippel, Rippenkraut, Röhlke, Schafrippe, Schafzunge, Sichelkraut, Tausendblatt

Familie:
Korbblütengewächse (Compositae )

Die Pflanze erhielt ihren Namen, weil sie gerne von Schafen gefressen wird. Die Bezeichnung „Neunkraft“ deutet vielleicht darauf hin, dass sie zu den berühmten Neunkräutern gehört, die, um die Sommersonnenwende gepflückt, besonderen Schutz gegen Krankheit verleihen sollten.

Beschreibung:
Die Art läßt sich nach ihrem Standort in mehrere Unterarten aufgliedern, die sich in ihrer äußeren Gestalt unterscheiden.

Rundlicher Wurzelstock kriecht unter der Erde und treibt im Frühjahr Sprosse.

Höhe:
15 – 60 cm hohe Stengel mit Blattsprossen

Blätter:
An den Blattsprossen bilden die Blätter eine grundständige Rosette. Sie sind doppelt fiederspaltig.

Blüten:
Die vielen Blütenköpfchen sind am Ende des Stängels zu einem Blütenstand vereinigt. Jedes Köpfchen besitzt etwa 5 weiße, seltener rosafarbene bis karminrote, randständige Zungenblüten. Doldenrispe mit kleinen Körbchen.

Geruch:
Schwach aromatisch und schmeckt bitter-aromatisch

Stengel:
Behaart

Blütezeit:
Juni – Oktober

Vorkommen:
Die gemeine Schafgarbe ist eine Wiesenpflanze, die von der Ebene bis in die alpine Region auf nicht zu feuchtem Boden anzutreffen ist. Man findet sie außerdem häufig an Wegrändern, Bahndämmen und Getreidefelder.

Verbreitung:
Ganz Europa bis Nordkap, westlicher Himalaja, Sibirien, Nordamerika, Südaustralien und Neuseeland

Sammelgut:
Kraut

Sammelzeit:
Juni – September

Sammelvorschrift:
Zu Beginn der Vollblüte werden bis zu 20 cm lange Triebspitzen abgeschnitten und in dünner Schicht bei weniger als 30°C getrocknet. Die offizielle Droge stammt aus dem Anbau der Unterart Achillea millefolium collina und deren Sammelgut in Südost – und Osteuropa.

Inhaltsstoffe:
Ätherisches Öl (0,2 – 0,5%) (darunter Cineol und Chamazulen), in dem verschiedene Terpene, unter anderem Pinien, Sabinen, Bornylacetat, Campfer, Artemisiaketon und Cineol. Das bitter schmeckende Achillein. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Inulin, Harz, Mineralien und Gerbstoffe sowie antibiotische Substanzen. Eiweiß, Phosphate, Nitrate, Kalisalze

Anwendung:
choleretisch, antibakteriell, adstringierend und spasmolytisch

Appetitanregend, verdauungsfördernd, gallen- und blasentreibend. Wird häufig bei Beschwerden des Magen-Darm-Kanals verordnet. Blutreinigend, entzündungshemmend. Nierenleiden, Magen- und Bauchschmerzen, blutiger Stuhl, Hämorrhoiden, Kopfschmerzen, Menstruationsstörungen und förderlich für die Lunge.

Vor allem für Frauen ist Schafgarbe ein wichtiges Kraut: Jungen Mädchen hilft sie bei unregelmäßigen Monatsblutungen, älteren Frauen bei den Beschwerden der Wechseljahre. Schafgarbe hilft bei Eierstockentzündungen, Weißfluss, Migräne.

Man trinke täglich 2 – 3 Tassen Tee, schluckweise, über den Tag verteilt.

Gegen Hämorrhoiden hilft eine Schafgarbensalbe, sowie Sitzbäder.

100g Schafgarben (ganzes Kraut) in kaltem Wasser über Nacht ansetzen, am nächsten Tag bis zum Kochen erhitzen und dem Badewasser zufügen.

Wunden-Wein für innerliche Wunden:
(Hildegard von Bingen)

2 Messerspitzen Schafgarben-Pulver
125 ml Wein bzw. Wasser

Wer im Körperinnern eine Wunde erhielt, sei es, dass er durch Spieße verwundet, oder dass er innerlich verletzt wurde, der pulverisiere Schafgarbe, und er trinke dieses Pulver in warmem Wasser. Und wenn es ihm dann besser geht, dann nehme er dieses Pulver in warmem Wein, bis er geheilt ist.
Dosierung: 2 mal tägliche innerlich

Wunden-Auflage für äußerliche Wunden
(Hildegard von Bingen)

Zutaten:
Schafgarbenkraut
Wein

Wenn ein Mensch durch einen Schlag verletzt wird, wäscht man nachher die Wunde mit Wein, und er soll mäßig in Wasser gekochte und gut abgetropfte Schafgarbe über dem Tuch leicht befestigen, das auf der Wunde liegt. Und so nimmt sie der Wunde die Fäulnis und die Schwarzen, das heißt das Geschwür. Und sie heilt die Wunde. Und so geschehe es oft, solange es nötig ist. Aber nachdem die Wunde begonnen hat, sich ein wenig zusammenzuziehen und zu heilen, dann soll man das Tuch wegnehmen und so die Schafgarbe auf die Wunde legen, und sie wird umso gesünder und vollkommener geheilt.

Nebenwirkungen:
Nach Gebrauch nicht in die pralle Sonne gehen. Kann zu Lichtüberempfindlichkeiten führen. Bekannte Überempfindlichkeit (Allergien) gegenüber Korbblütern (z. B. Arnika, Ringelblumen, Kamille sowie Schafgarbe selbst). Während des Gebrauchs von Schafgarbe soll Wein und Kaffee gemieden werden, da sonst starke Kopfschmerzen entstehen können (also ich trinke viel Kaffee und bekomme nie Kopfschmerzen davon).

Geschichtliches:
Die Wirksamkeit der Schafgarbe ist mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen. Schon seit dem Altertum hat Schafgarbe ihren festen Platz unter den Heilmitteln: So hat Achilles der Legende zufolge mit Schafgarbe König Telephus im Trojanischen Krieg geheilt (daher auch der lateinische Name); seit Jahrhunderten ist die Schafgarbe in der Heilkunde (z.B. bei den Römern oder auch Hildegard von Bingen) bewährt; auch Goethes „Götz von Berlichingen“ lindert die Beschwerden des verwundeten Ritters mit Schafgarbe: „Sie stillt das Blut, gibt neue Kraft“ – Längerfristiger Dauergebrauch des Tees soll sogar altersbedingte Beschwerden verbessern und bei Schmerzen von Angina Pectoris hilfreich sein. Schafe fressen sie besonders gern – daher der deutsche Name. In vielen Magenbittern ist die Schafgarbe enthalten. Umschläge und Spülungen kann man sowohl mit alkoholischen Extrakten (z.B. bei entzündeter Haut und Schleimhauterkrankungen) oder Schafgarbenabsud (als Wundheilmittel) machen.

 

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