Alant – eine alte Heilpflanze für Atemwege und Verdauung

Mit seinen großen, leuchtend gelben Blüten ist der Echte Alant (Inula helenium) eine eindrucksvolle Erscheinung im Kräutergarten. Seine eigentliche Bedeutung liegt jedoch unter der Erde: Die kräftige, aromatisch-bittere Wurzel wurde früher vor allem bei verschleimtem Husten und Verdauungsbeschwerden verwendet. Heute gehört Alant zu den fast vergessenen Heilpflanzen, deren traditionelle Anwendung interessant, wissenschaftlich jedoch nur unzureichend belegt ist. (PMC)

Woran erkennst du den Echten Alant?

Alant gehört zur Familie der Korbblütler und kann eine stattliche Höhe von ein bis zwei Metern erreichen. Die mehrjährige Pflanze bildet kräftige, aufrechte Stängel und große, leicht gezähnte Blätter.

Typische Erkennungsmerkmale sind:

  • große gelbe Blütenköpfe mit schmalen Zungenblüten
  • kräftige, aufrechte Stängel
  • sehr große, längliche bis eiförmige Blätter
  • dicht graufilzige Blattunterseiten
  • herzförmige obere Blätter, die den Stängel teilweise umfassen
  • ein kräftiger, aromatischer Wurzelstock
  • Blütezeit hauptsächlich im Juli und August

Die Blütenköpfe erreichen einen Durchmesser von etwa fünf bis sieben Zentimetern. Durch seine Größe und die imposanten Blätter lässt sich der Echte Alant gut von kleineren Alantarten unterscheiden.

Eine Pflanze mit großer Ausstrahlung

Wer Alant einmal im Garten erlebt hat, vergisst ihn nicht so schnell. Die hohen Stängel mit ihren sonnengelben Blüten ragen weit über viele andere Heilpflanzen hinaus. Bienen, Hummeln und andere Insekten besuchen die Blüten gerne.

Ursprünglich stammt der Echte Alant aus einem Gebiet, das von Südosteuropa bis nach Westsibirien und Iran reicht. In Deutschland wurde er als Heil-, Gewürz- und Zierpflanze kultiviert und ist stellenweise verwildert.

Wo wächst Alant?

Alant bevorzugt nährstoffreiche, frische bis feuchte Böden. Man findet ihn vor allem:

  • an Teich- und Grabenufern
  • in feuchten Hochstaudenfluren
  • an Waldrändern
  • in alten Gärten und Parkanlagen
  • an Ruderalstellen
  • gelegentlich auf Friedhöfen und an ehemaligen Siedlungsplätzen

In Deutschland gilt er als etablierte, ursprünglich eingeführte Art und steht nicht unter besonderem gesetzlichem Schutz.

Verwendet wird die Wurzel

Während uns die gelben Blüten im Sommer ins Auge fallen, wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde vor allem der unterirdische Teil genutzt: der Wurzelstock mit den daran sitzenden Wurzeln.

Die Alantwurzel besitzt einen kräftigen, würzigen und leicht kampferartigen Geruch. Ihr Geschmack ist zunächst aromatisch, anschließend deutlich bitter und etwas scharf.

Traditionell wird die Wurzel im Herbst ausgegraben, wenn die oberirdischen Pflanzenteile beginnen einzuziehen. Sie wird gründlich gereinigt, in Stücke oder Scheiben geschnitten und anschließend zügig getrocknet.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

Die Alantwurzel enthält unter anderem:

  • Inulin
  • ätherisches Öl
  • Alantolacton
  • Isoalantolacton
  • weitere Sesquiterpenlactone
  • Bitterstoffe und verschiedene phenolische Verbindungen

Alant in der traditionellen Heilkunde

Alant galt früher vor allem als Pflanze der Atemwege. Die Wurzel wurde in Teemischungen, Sirupen, Kräuterweinen und Tinkturen verarbeitet.

Volksheilkundlich verwendete man sie bei:

  • Husten mit zähem Schleim
  • Katarrhen der Atemwege
  • chronischer Verschleimung
  • Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • einer als träge empfundenen Verdauung

Die aromatischen Bitterstoffe sollten die Verdauungssäfte anregen. Gleichzeitig wurde Alant traditionell als auswurfförderndes Mittel bei festsitzendem Husten geschätzt. Diese Anwendungen sind historisch gut überliefert, ihre Wirksamkeit wurde jedoch bislang nicht durch überzeugende klinische Studien bestätigt. (uaiasi.ro)

Was sagt die Wissenschaft?

Laboruntersuchungen zeigen, dass Extrakte und einzelne Sesquiterpenlactone aus der Alantwurzel unter anderem antimikrobielle und entzündungsbezogene Wirkungen besitzen können. In einer Untersuchung hemmten bestimmte Wurzelextrakte beispielsweise das Wachstum verschiedener Staphylokokkenstämme. Solche Ergebnisse stammen jedoch aus Versuchen im Labor und lassen sich nicht unmittelbar auf die Behandlung von Erkrankungen beim Menschen übertragen. (PMC)

Für Alant liegen keine ausreichenden klinischen Studien vor, aus denen eine gesicherte medizinische Anwendung oder Dosierung abgeleitet werden könnte.

Das bedeutet nicht, dass die historischen Erfahrungen bedeutungslos sind. Sie sollten jedoch klar als traditionelle Pflanzenanwendung und nicht als wissenschaftlich bestätigte Behandlung eingeordnet werden.

Alantwurzel in der früheren Küche

Alant war nicht nur Heilpflanze, sondern wurde früher auch als Gewürz und Lebensmittel verwendet. Die aromatische Wurzel würzte Speisen und Getränke. Im mittelalterlichen Europa wurde sie sogar kandiert und als süß-bitteres Konfekt angeboten.

Historische Quellen berichten außerdem von der Verwendung in Fischgerichten sowie in alkoholischen Kräutergetränken. Heute ist der intensive Geschmack jedoch weitgehend aus unserer Küche verschwunden.

Kandierte Alantwurzel

Diese Zubereitung erinnert an die historische Verwendung der Pflanze und ist eher als kleine botanische Besonderheit denn als alltägliche Süßigkeit gedacht.

Zutaten

  • 100 g frische Alantwurzel
  • etwa 150 g Zucker
  • 200 ml Wasser
  • etwas Zucker zum Wälzen

Zubereitung

Die Alantwurzel gründlich reinigen, dünn schälen und in sehr feine Scheiben schneiden. Die Scheiben in Wasser etwa zehn Minuten köcheln lassen und anschließend abgießen.

Aus Zucker und frischem Wasser einen Sirup kochen. Die Wurzelscheiben hineingeben und bei geringer Hitze köcheln lassen, bis sie leicht durchsichtig werden. Anschließend auf Backpapier trocknen lassen und nach Wunsch in etwas Zucker wälzen.

Alantwurzel ist ausgesprochen aromatisch und bitter. Deshalb sollten nur sehr kleine Mengen probiert werden.

Wann ist Vorsicht geboten?

Alant gehört zu den Korbblütlern und enthält allergieauslösende Sesquiterpenlactone. Menschen mit einer bekannten Korbblütlerallergie oder einer Neigung zu allergischen Kontaktekzemen sollten auf die Anwendung verzichten. Alantolacton und Isoalantolacton wurden als Kontaktallergene beschrieben.

Von einer innerlichen Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern würde ich aufgrund der unzureichenden Sicherheitsdaten abraten. Auch zur langfristigen Einnahme und zu möglichen Wechselwirkungen fehlen verlässliche Erkenntnisse. Bei anhaltendem Husten, Atemnot, Fieber oder unklaren Verdauungsbeschwerden ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

Erntezeit

Wurzel: vorzugsweise im Herbst, nachdem sich die Pflanze zurückgezogen hat

Blüten: Juli bis August

Verwendet wird

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird vor allem der Wurzelstock mit den Wurzeln verwendet.

Mein Tipp
Alant braucht Platz. Pflanze ihn am besten an einen sonnigen bis halbschattigen Standort im Hintergrund eines Kräuterbeetes. Auf einem nährstoffreichen, nicht zu trockenen Boden entwickelt er sich zu einer beeindruckenden Staude. Da sich ältere Pflanzen nur mühsam ausgraben lassen, solltest du schon beim Pflanzen überlegen, ob du später einen Teil der Wurzel ernten möchtest.

 

 

Für mich ist Alant deshalb vor allem eine Pflanze, an der sich gut zeigen lässt, wie wichtig eine sorgfältige Trennung zwischen überliefertem Heilpflanzenwissen und wissenschaftlich gesicherter Anwendung ist. Gleichzeitig lohnt er sich allein schon wegen seiner eindrucksvollen Blüten als Bereicherung für einen naturnahen Heilpflanzengarten.

 

 

Quellen
  • Bundesamt für Naturschutz: FloraWeb – Inula helenium L. (Echter Alant). (FloraWeb)
  • Royal Botanic Gardens, Kew: Plants of the World Online – Inula helenium L. (Plants of the World Online)
  • Kenny, C. R. et al. (2022): From Monographs to Chromatograms: The Antimicrobial Potential of Inula helenium L. Molecules, 27, 1406. (PMC)
  • Buza, V. et al.: Inula helenium: A literature review on ethnomedical uses, bioactive compounds and pharmacological activities. (uaiasi.ro)
  • Stojanović-Radić, Z. et al. (2012): Antistaphylococcal activity of Inula helenium root essential oil. (PubMed)
  • Paulsen, E. et al.: Untersuchungen zu Kontaktallergien durch Korbblütler und Sesquiterpenlactone. (PubMed)

 

 

 

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