Quittenessig – goldener Herbst im Glas
Wenn Quitten ihren unverwechselbaren Duft verströmen, ist der Herbst wirklich angekommen. Die goldgelben Früchte sind roh eher hart und herb, entwickeln verarbeitet aber ein wunderbares Aroma. Besonders schön lässt sich dieses in einem selbst gemachten Quittenessig einfangen – mit Orange, Rosmarin und warmen Gewürzen entsteht ein feiner Essig für Salate, Kürbis, Rote Bete und viele herbstliche Gerichte.
Die Quitte – eine alte Frucht mit besonderem Duft
Die Echte Quitte (Cydonia oblonga) gehört zur Familie der Rosengewächse.
Ihre Früchte erinnern je nach Sorte an einen Apfel oder eine Birne. Wenn sie im Herbst reifen, färben sie sich leuchtend gelb und entwickeln einen intensiven, fast blumigen Duft.
Typisch für Quitten sind:
- eine feste, gelbe Fruchtschale
- bei vielen Sorten ein feiner Flaum auf der Oberfläche
- sehr festes Fruchtfleisch
- ein herber, zusammenziehender Geschmack im rohen Zustand
- ein intensives, warm-fruchtiges Aroma
Gerade dieser Duft macht die Quitte für mich zu einer der schönsten Früchte des Herbstes.
Wann sind Quitten reif?
Je nach Sorte und Standort werden Quitten ungefähr von September bis November geerntet.
Reife Früchte erkennt man daran, dass sie:
- kräftig gelb geworden sind
- intensiv duften
- ihren Flaum zunehmend verlieren oder sich dieser leicht abreiben lässt
Für Essig müssen die Früchte nicht butterweich sein. Im Gegenteil: Feste, aromatische Quitten lassen sich sehr gut verarbeiten.
Warum Quitten meistens verarbeitet werden
Anders als Äpfel oder Birnen werden die meisten Quittensorten bei uns nicht einfach roh gegessen.
Das Fruchtfleisch ist sehr fest und enthält Gerbstoffe, wodurch rohe Quitte deutlich herb und zusammenziehend schmecken kann.
Durch Kochen, Backen oder Einlegen verändert sich das Aroma – und plötzlich zeigt die Quitte ihre ganz andere Seite.
Traditionell werden daraus unter anderem:
- Gelee
- Mus
- Quittenbrot
- Kompott
- Saft
- Likör
- Sirup
- und aromatisierter Essig
hergestellt.
Eine kleine Geschichte der Quitte
Quitten gehören zu den sehr alten Kulturfrüchten Europas und Westasiens.
Spannend ist auch ihre Verbindung zur Marmelade: Das portugiesische Wort „marmelo“ bedeutet Quitte, und „marmelada“ bezeichnete ursprünglich ein dickes Quittenmus.
Dass wir heute ganz unterschiedliche Fruchtaufstriche Marmelade nennen, erinnert also noch immer an diese alte Frucht.
Warum sich Quitten so gut für Essig eignen
Essig nimmt während der Ziehzeit viele der aromatischen Bestandteile der Früchte und Gewürze auf.
Bei der Quitte gefällt mir besonders die Kombination aus:
- fruchtigem Aroma
- leichter Herbe
- Säure
- warmen Gewürzen
Dadurch entsteht ein Essig, der deutlich feiner schmeckt als ein einfacher Apfelessig.
Und gleichzeitig ist Quittenessig unglaublich vielseitig.
Zutaten für etwa 500 ml
- 1 große Quitte
- 500 ml Apfelessig oder Weißweinessig
- Schale von ½ Bio-Orange
- 1 kleiner Zweig Rosmarin
- 1 kleine Zimtstange
- 1 Sternanis
- 2 Gewürznelken optional
- 1 TL Honig
Zubereitung
- Die Quitte zunächst gründlich mit einem Tuch abreiben, damit der feine Flaum entfernt wird. Anschließend waschen.
- Die Frucht in kleine Stücke schneiden und Kerngehäuse sowie Kerne entfernen.
- Quittenstücke, Orangenschale, Rosmarin, Zimt, Sternanis und Nelken in ein sehr sauberes Glas geben.
- Mit dem Essig vollständig übergießen. Das Glas verschließen und den Ansatz etwa 2 bis 3 Wochen dunkel ziehen lassen. Zwischendurch immer wieder leicht schwenken.
- Danach alles sorgfältig abseihen und den fertigen Quittenessig in eine saubere Flasche füllen.
- Wer den Essig etwas milder mag, kann zum Schluss einen Teelöffel Honig einrühren.
Wie schmeckt Quittenessig?
Dieser Essig ist:
fruchtig, warm, leicht harzig und fein würzig.
Die Orange bringt Frische, während Zimt, Sternanis und Nelke für die herbstliche Wärme sorgen.
Der Rosmarin setzt eine kleine herbe, mediterrane Note.
Gerade deshalb würde ich ihn aber wirklich sparsam dosieren.
Die Quitte soll die Hauptrolle behalten.
Mein Tipp zu den Gewürzen
Besonders Rosmarin, Nelke und Sternanis sind sehr dominant.
Mehr ist hier nicht besser.
Ein kleiner Rosmarinzweig, zwei Nelken und ein Sternanis reichen für 500 ml vollkommen aus.
Wenn du nach einer Woche merkst, dass dir beispielsweise der Rosmarin bereits kräftig genug schmeckt, kannst du ihn auch früher entfernen und die Quitten weiterziehen lassen.
So kannst du deinen Essig ganz nach deinem eigenen Geschmack steuern.
Wozu passt Quittenessig?
Für mich ist Quittenessig ein klassischer Herbstessig.
Er passt wunderbar zu:
- Feldsalat
- Roter Bete
- Kürbis
- Rotkohl
- Karottensalat
- Linsensalat
- Ofengemüse
- Käse
- Nüssen
- Wildgerichten
Auch eine einfache Vinaigrette bekommt damit sofort etwas Besonderes.
Rezept: Herbstliche Quitten-Vinaigrette
Du brauchst
- 2 EL Olivenöl
- 1 EL Quittenessig
- ½–1 TL Honig
- ½ TL Senf
- etwas Salz
- frisch gemahlenen Pfeffer
Alle Zutaten miteinander verrühren.
Besonders gut schmeckt die Vinaigrette zu Feldsalat mit Walnüssen, Apfel oder Birne und etwas Käse.
Rezept: Rote Bete mit Quittenessig
Ein ganz einfaches Gericht, bei dem der Essig richtig gut zur Geltung kommt.
Du brauchst
- 2 gekochte Rote-Bete-Knollen
- 1–2 EL Quittenessig
- 2 EL Olivenöl
- Salz
- Pfeffer
- etwas Honig
- nach Wunsch Walnüsse und Ziegenkäse
Rote Bete in dünne Scheiben schneiden.
Essig, Öl, Honig, Salz und Pfeffer verrühren und darübergeben.
Mit Walnüssen und eventuell etwas Ziegenkäse servieren.
Die erdige Rote Bete und die fruchtig-würzige Quitte passen für mich besonders schön zusammen.
Quittenessig zum verschenken
In einer schönen kleinen Flasche ist selbst gemachter Quittenessig ein wunderbares Geschenk aus der Herbstküche.
Du kannst beispielsweise ein kleines Etikett daran hängen:
Quittenessig mit Orange, Rosmarin & Herbstgewürzen
Dazu vielleicht noch der Hinweis:
Passt zu Feldsalat, Kürbis, Roter Bete und Käse.
So weiß die beschenkte Person gleich, was sie damit anfangen kann.
Muss Quittenessig erhitzt werden?
Nein.
Bei diesem Rezept handelt es sich um einen kalten Essigauszug.
Frucht und Gewürze dürfen zwei bis drei Wochen im Essig ziehen und geben dabei nach und nach ihr Aroma ab.
Das macht das Rezept besonders unkompliziert.
Welcher Essig eignet sich am besten?
Ich würde entweder einen guten:
naturtrüben Apfelessig
oder einen milden
Weißweinessig
verwenden.
Apfelessig macht den Geschmack etwas runder und fruchtiger.
Weißweinessig lässt dagegen die Quitte etwas deutlicher hervortreten.
Beides funktioniert sehr gut.
Kann man die Gewürze verändern?
Natürlich.
Wenn du es etwas schlichter möchtest, kannst du beispielsweise nur:
- Quitte
- Orange
- und Zimt
verwenden.
Oder du ersetzt Sternanis durch ein kleines Stück Vanille.
Auch ein Zweig Thymian kann sehr schön sein.
Ich würde aber immer darauf achten, nicht zu viele Gewürze gleichzeitig einzusetzen.
Der Duft der Quitte ist fein – und sollte nicht unter Zimt, Nelke und Rosmarin verschwinden.
Was passiert mit den Quittenstücken nach dem Abseihen?
Nach zwei bis drei Wochen haben die Quittenstücke einen großen Teil ihres Aromas an den Essig abgegeben.
Ich würde sie danach nicht weiterverwenden, sondern kompostieren.
Für Mus, Gelee oder Kompott verwende ich lieber frische Früchte.
Häufige Fragen zu Quittenessig
Wann ist die beste Zeit für Quittenessig?
September bis November ist ideal, wenn heimische Quitten reif und besonders aromatisch sind.
Muss man Quitten schälen?
Nein. Für Quittenessig kann die Schale an der Frucht bleiben. Den Flaum solltest du vorher gründlich abreiben und die Quitte anschließend waschen.
Warum werden die Kerne entfernt?
Für dieses Küchenrezept werden Fruchtfleisch und Schale verwendet. Das Kerngehäuse und die Kerne brauchen wir nicht und entfernen sie deshalb vor dem Ansatz.
Wie lange sollte Quittenessig ziehen?
Etwa zwei bis drei Wochen reichen normalerweise aus.
Kann der Ansatz länger stehen?
Grundsätzlich entwickelt sich das Aroma während der Ziehzeit weiter. Gerade starke Gewürze wie Nelke, Rosmarin oder Sternanis können bei sehr langer Ziehzeit jedoch dominant werden. Deshalb würde ich nach etwa zwei Wochen erstmals probieren.
Wie wird Quittenessig aufbewahrt?
Nach dem Abseihen in eine sehr saubere Flasche füllen und kühl sowie dunkel lagern.
Verändert sich der Essig ungewöhnlich, bildet sich Schimmel oder entwickelt er einen auffälligen Geruch, wird er entsorgt.
Ist Quittenessig nur für Salat geeignet?
Nein. Er eignet sich ebenso zum Abschmecken von Gemüse, Linsen, Rotkohl, Saucen oder Marinaden.
Mein Tipp
Wenn du eine reife Quitte in der Hand hältst, rieche zuerst einmal daran.
Manchmal konzentrieren wir uns bei Pflanzen und Früchten so sehr darauf, was wir daraus machen können, dass wir vergessen, sie vorher einfach wahrzunehmen.
Der Duft einer reifen Quitte ist etwas ganz Besonderes.
Und genau diesen Duft ein Stück weit für die kommenden Monate einzufangen – dafür ist dieser Essig für mich gemacht.
Quittenessig ist eines dieser einfachen Rezepte, die kaum Arbeit machen und trotzdem etwas ganz Besonderes hervorbringen.
Eine Quitte, etwas Orange, ein paar Gewürze und guter Essig genügen.
Dann braucht es nur noch Zeit.
Nach einigen Wochen entsteht ein fruchtig-würziger Essig, der wunderbar zu den kräftigen Aromen des Herbstes passt.
Ein kleines Stück goldener Herbst in der Flasche.

