Der Blutweiderich (Lythrum salicaria) gehört zu den eindrucksvollen Wildpflanzen des Hochsommers. Mit seinen leuchtend purpurfarbenen Blüten verschönert er Feuchtwiesen und Bachufer. Gleichzeitig zählt er zu den fast vergessenen Heilpflanzen Europas und überrascht mit seiner traditionellen Verwendung sowie seiner kulinarischen Vielfalt.
Woran erkennst du den Blutweiderich?
Der Blutweiderich gehört zur Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) und ist in ganz Europa heimisch.
Typische Merkmale:
- leuchtend purpur- bis karminrote Blütenähren

- vierkantiger, aufrechter Stängel
- schmale, lanzettliche Blätter
- Wuchshöhe von 50 bis 150 cm
- Blütezeit von Juli bis September
Er wächst bevorzugt an feuchten Standorten und bildet dort oft dichte, farbenprächtige Bestände.
Eine Heilpflanze mit langer Tradition
Schon im Mittelalter gehörte der Blutweiderich zu den geschätzten Heilpflanzen. Vor allem wegen seines hohen Gerbstoffgehalts wurde er traditionell bei Durchfallerkrankungen sowie äußerlich zur Pflege kleiner Wunden und entzündeter Schleimhäute verwendet.
Heute ist dieses Wissen weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl der Blutweiderich noch immer zu den klassischen Heilpflanzen der europäischen Volksheilkunde zählt.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe
Das blühende Kraut enthält unter anderem:
- Gerbstoffe (Ellagitannine)
- Flavonoide
- Anthocyane
- Schleimstoffe
- Pektine
- Phenolcarbonsäuren
Vor allem die Gerbstoffe gelten als verantwortlich für die traditionell zusammenziehenden Eigenschaften der Pflanze.
Welche Eigenschaften werden dem Blutweiderich zugeschrieben?
In der Volksheilkunde wird Blutweiderich traditionell beschrieben als:
- adstringierend (zusammenziehend)
- entzündungshemmend
- leicht antibakteriell
- schleimhautschützend
Traditionell wurde er innerlich bei leichten, unspezifischen Durchfällen sowie äußerlich als Gurgeltee, Waschung oder Umschlag verwendet.
Hinweis: Diese Anwendungen beruhen überwiegend auf der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde. Eine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA/HMPC) für Blutweiderich liegt derzeit nicht vor.
Blutweiderich in der Volksheilkunde
Früher durfte Blutweiderich in vielen Hausapotheken nicht fehlen.
Verwendet wurde er traditionell:
- als Tee
- zum Gurgeln
- für Sitzbäder
- für Umschläge und Waschungen
Sein hoher Gerbstoffgehalt machte ihn besonders bei feuchten und gereizten Schleimhäuten beliebt.
Blutweiderich in der Wildkräuterküche
Weniger bekannt ist, dass Blutweiderich auch eine essbare Wildpflanze ist.
Verwendet werden können:
- junge Blätter
- junge Triebspitzen
- Blüten
Die jungen Blätter besitzen einen leicht herben Geschmack und eignen sich in kleinen Mengen für Wildkräutersalate oder können kurz gedünstet werden. Die Blüten setzen farbliche Akzente auf Salaten, Kräuterbutter oder sommerlichen Desserts.
Da ältere Blätter einen höheren Gerbstoffgehalt aufweisen, schmecken sie deutlich herber und werden meist nur sparsam verwendet.
Wildkräuterquark mit Blutweiderich
Zutaten
- 250 g Quark
- 1 Handvoll junge Blutweiderichblätter
- einige frische Blutweiderichblüten
- Schnittlauch
- Petersilie
- Salz
- Pfeffer
- etwas Zitronensaft
Zubereitung
Die jungen Blätter fein hacken und mit Quark, Kräutern und Gewürzen verrühren. Zum Schluss mit den leuchtenden Blüten garnieren.
So entsteht ein würziger Wildkräuterquark mit einer ganz besonderen Optik.
Erntezeit
Blühendes Kraut: Juli bis September
Junge Blätter: April bis Juni
Verwendet wird
Vor allem das blühende Kraut, außerdem junge Blätter, Triebspitzen und Blüten.
Vorkommen
Feuchtwiesen, Bachufer, Gräben, Teichränder und Auen; sonnige bis halbschattige, feuchte Standorte.
Zum Rezept: Gemüse aus Blutweiderich
Quellen
Botanik und Inhaltsstoffe
Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Blaschek, W. et al.: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis.
HagerROM – Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen.
Traditionelle Verwendung
Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen.
Barnes, J.; Anderson, L.; Phillipson, J.: Herbal Medicines.
Kulinarische Verwendung
Couplan, F.: Essbare Wildpflanzen Europas, AT Verlag.
Künkele, U.; Lorenz, R.: Essbare Wildpflanzen, Kosmos Verlag.
Hinweis zur Quellenlage: Für Lythrum salicaria existiert derzeit keine HMPC-/EMA-Monographie. Die beschriebenen medizinischen Anwendungen beruhen auf der traditionellen europäischen Volksheilkunde sowie auf pharmakologischen Untersuchungen der Inhaltsstoffe. Die kulinarische Verwendung der jungen Blätter und Blüten ist in der Wildpflanzenliteratur beschrieben.

