Ginseng Panax gingseng Ginseng radix (M)

Print Friendly, PDF & Email
Ginseng

Ginseng

Schon immer suchten die Menschen nach einem Elixier, das zu einem langen Leben verhilft, ohne Al­terserscheinungen und Gebrechen. Das Allheilmittel entdeckten sie nicht, aber sie fanden Ginseng. Ginseng – Lebenselixier, das Liebe, Gesundheit und langes Leben schenkt, ein Zaubertrunk der allhei­lenden Göttin: der botanische Name „Panax” kommt vom griechischen „Panacea: allheilende Göttin”. „Ginseng” heißt „Menschenwurzel”, weil die Wurzel anthropomorph ist, menschenähnlich geformt wie die Wurzel der Alraune.

Die Ginsengwurzel ist schlecht zu kultivieren und wächst nur langsam, das erhöht ihren käuflichen Wert. In der Sung-Dynastie (926 bis 1126 n.Chr.) wurde ihr Gewicht mit reinem Silber aufgewogen. 50 g einer koreanischen Wurzel kosten noch heute bis zu 100 Dollar. Die Kostbarkeit der Wurzel war lange Zeit der Grund, weshalb größere Studien ausblieben: sie waren einfach zu teuer. Mittlerweile aber ist die Wurzel ausreichend untersucht und mit einer positiven Monographie bewertet worden. Echter Ginseng wächst in den Urwäldern Nordkoreas oder in der Mandschurei; in Korea, China und Japan sowie in der Ukraine wird er angebaut. Sieben Jahre lang dauert es, bis die Wurzel ein Gewicht von 60-100 g erreicht hat und geerntet werden kann.

Zur Drogenverarbeitung wird die Wurzel gewaschen, mit Schwefeldioxid gebleicht und anschließend an der Sonne getrocknet. Das ergibt die „Weiße Ginsengwurzel”, die vom DAB gefordert wird. Die sogenannte Rote Ginsengwurzel ist nicht offizinell; sie wird zur Konservierung vor dem Trocknen mit Wasserdampf behandelt. Dadurch wird sie hart und färbt sich glasig rot. Inhaltsstoffe und Wir­kungen sollen dabei nicht beeinträchtigt werden — das wird derzeit kontrovers diskutiert.

Inhaltsstoffe: Saponine, Alkohole, Peptide, Proteine und Polysaccharide. Mind. 1,5 % Ginsenoside (bislang 11 Einzelverbindungen identifiziert, berechnet als Ginsenosid Rgl), ätherisches Öl, Phytoste­role, Peptidoglykane.

Wirkungen: „Adaptogen”, d. h. Ginseng erhöht die Belastbarkeit gegenüber Stresssituationen. Psy­chotonikum mit tonisierender, beruhigender und zentralstimulierender Wirkung auf das ZNS, das En­dokrinum und das Immunsystem. Steigert Reaktions- und Leistungsfähigkeit, Koordination und Kon­zentration, verbessert den Allgemeinzustand und altersbedingte Depressionszustände, erleichtert kör­perliches Training und verringert geistige Ermüdung. Ginseng verbessert den Sauerstoffgehalt des Blutes (Erythrozyten können den Sauerstoff besser an sich binden), das Atmen und repariert laut Stu­dien geschädigtes Erbmaterial im Zellkern schneller. Er wirkt leicht blutzucker- und blutfettsenkend (Neuerdings werden Ginsengbeeren zur Blutzuckersenkung erforscht).

Ginseng wirkt am besten bei Gesunden. Er hat seine Stärke nicht in der Behandlung bestimmter Er­krankungen, sondern in der Vorbeugung: er erhöht in unspezifischer Weise die Abwehrkraft des Or­ganismus gegenüber verschiedenen Umwelteinflüssen, vermag so die Anfälligkeit für Krankheiten zu mindern und unterstützt die Genesung nach langwierigen Erkrankungen.

Indikationen: Konzentrationsschwäche, Überforderungs- und Erschöpfungssyndrom. Als Tonikum bei Müdigkeit, Überanstrengung und Schwächezuständen im Alltag, bei leichteren Depressionszu­ständen, Hypotonie, Libidoverlust und Potenzschwäche sowie als Phyto-Geriatrikum, wenn die Leis­tungsfähigkeit, das Auffassungsvermögen oder die Koordinationsfähigkeit nachgelassen hat. Zur Be­gleitung bei Leistungssportlern.

Darreichungsformen: Pulver, Sirup, Wein, Fertigpräparate.

Tagesdosis: 1-2 g; die Tagesmenge an Ginsenoiden muss mindestens 10 mg betragen. Anwendungsdauer: In der Regel nicht länger als 3 Monate. Eine erneute Anwendung ist nach 2-3 Monaten möglich. Hinweis: Ginseng sollte prophylaktisch eingenommen werden (bis zu 3 Monaten), die Wirkung macht sich erst allmählich bemerkbar.

Nebenwirkungen: Aus der Literatur ist das sogenannte „Ginsengmißbrauchsyndrom” bekannt, wo bei gleichzeitiger Einnahme von Ginseng und Coffein Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Ödeme und morgendlicher Durchfall auftreten.

Gegenanzeigen: Bei bekanntem Bluthochdruck und Arteriosklerose sollte Ginseng nicht eingenom­men werden. Bei Überdosierung: Durchfall, Bluthochdruck, Spannung in den Brüsten.

Präparate: Ginsana Kps., Ginseng Curarina Kps., Kneipp Ginsenetten Drg., Orgaplasma Drg. Teezubereitung: 1-2 g Droge mit kochendem Wasser übergießen und 5-10 Min. ziehen lassen.

Kommission E: Als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits-, Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Rekonvaleszenz.