Kaum eine Heilpflanze verbindet Schönheit, Duft und Heilkraft so harmonisch wie der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia). Seine violetten Blüten verwandeln Gärten im Sommer in ein duftendes Blütenmeer und werden seit Jahrhunderten in der Pflanzenheilkunde, Aromatherapie und Naturkosmetik geschätzt. Ob als Tee, Duftkissen oder ätherisches Öl – Lavendel gehört zu den vielseitigsten Heilpflanzen Europas.
Woran erkennst du Lavendel?
Der Echte Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Heute wird er in vielen Gärten kultiviert und kommt in warmen Regionen Europas auch verwildert vor.
Typische Merkmale:
- violettblaue Blütenähren
- silbrig-grüne, schmale Blätter
- intensiver, aromatischer Duft
- verholzender Halbstrauch
- Wuchshöhe von 30 bis 80 cm
- Blütezeit von Juni bis August
Sein unverwechselbarer Duft entsteht durch den hohen Gehalt an ätherischem Öl.
Eine Heilpflanze mit langer Tradition
Bereits die Römer schätzten Lavendel als Badezusatz und Parfüm. Sein Name leitet sich vom lateinischen lavare – „waschen“ – ab. Im Mittelalter durfte Lavendel in keinem Klostergarten fehlen und wurde zur Reinigung von Räumen, zur Wäschepflege und als Heilpflanze verwendet.
Bis heute zählt Lavendel zu den am besten untersuchten Heilpflanzen Europas.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe
Die Blüten enthalten unter anderem:
- ätherisches Öl (vor allem Linalool und Linalylacetat)
- Gerbstoffe
- Flavonoide
- Cumarine
- Rosmarinsäure
Vor allem das ätherische Öl verleiht Lavendel seine charakteristischen Eigenschaften.
Welche Eigenschaften werden Lavendel zugeschrieben?
Die Anwendung von Lavendelblüten ist wissenschaftlich gut untersucht.
Traditionell und wissenschaftlich beschrieben werden unter anderem:
- beruhigend
- entspannend
- schlaffördernd
- krampflösend
- leicht verdauungsfördernd
Traditionell werden Lavendelblüten als Tee bei innerer Unruhe, nervöser Anspannung und leichten Einschlafstörungen verwendet.
Das ätherische Lavendelöl findet zudem äußerlich Anwendung, beispielsweise zur Massage oder in der Aromapflege.
Lavendel in der Volksheilkunde
Lavendel wurde traditionell verwendet:
- als Beruhigungstee
- in Duftkissen
- als Badezusatz
- als Räucherpflanze
- zur Pflege kleiner Hautreizungen
- zur Raumbeduftung
Sein angenehmer Duft macht ihn bis heute zu einer der beliebtesten Heil- und Duftpflanzen.
Lavendel in der Küche
Die Blüten besitzen ein fein würziges, leicht blumiges Aroma.
Sie eignen sich hervorragend für:
- Lavendelzucker
- Sirup
- Kräuterhonig
- Kekse
- Desserts
- Kräuterbutter
- Kräutersalz
Wichtig ist eine sparsame Dosierung, da Lavendel sonst schnell zu intensiv schmeckt.
- 250 g Rohrohrzucker
- 2–3 EL getrocknete Lavendelblüten
Zubereitung
- Lavendelblüten fein mörsern und mit dem Zucker vermischen.
- Alles in ein gut verschließbares Glas geben und etwa zwei Wochen ziehen lassen.
- Gelegentlich schütteln.
Der Lavendelzucker eignet sich hervorragend für Kuchen, Gebäck, Obstsalat oder selbstgemachte Limonade.
Erntezeit
Blüten: Juni bis August
Verwendet wird
Vor allem die Blüten, außerdem das daraus gewonnene ätherische Öl.
Vorkommen
Sonnige, trockene Standorte; Gärten, Kräuterbeete und warme Hänge. Ursprünglich stammt Lavendel aus dem Mittelmeerraum.
Weitere Rezepte:
Lavendel-Massageöl für Babys ruhigen Schlaf
Holundergelee mit Lavendelblüten
Quellen
Botanik und Inhaltsstoffe
-
Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
-
Blaschek, W. et al.: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis.
Medizinische Verwendung
-
European Medicines Agency (EMA): Community Herbal Monograph on Lavandula angustifolia Mill., flos.
-
ESCOP Monographs: Lavandulae flos.
-
The Complete German Commission E Monographs.
Kulinarische Verwendung
-
Künkele, U.; Lorenz, R.: Essbare Wildpflanzen, Kosmos Verlag.
-
Couplan, F.: Essbare Wildpflanzen Europas, AT Verlag.

