Hopfen als Heilpflanze – Wirkung, Ernte und Anwendung

Hopfen – die grüne Kletterpflanze für ruhige Nächte

Im Sommer windet sich der Hopfen meterhoch durch Hecken und Gebüsche. Im Spätsommer hängen an den weiblichen Pflanzen die hellgrünen, zapfenartigen Blütenstände – leicht, papierartig und voller aromatischer Drüsen. Die meisten Menschen verbinden Hopfen zuerst mit Bier. Doch Humulus lupulus ist auch eine alte Heilpflanze, die in der Volksheilkunde besonders bei Unruhe und Schlafproblemen geschätzt wird.

Woran erkennst du den Hopfen?

Der Gewöhnliche Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae).

Er ist eine ausdauernde Kletterpflanze. Seine oberirdischen Triebe sterben im Winter ab, während der kräftige Wurzelstock im Boden überdauert und im Frühjahr wieder neu austreibt.

Typisch sind:

  • lange, raue Klettertriebe
  • gegenständig angeordnete Blätter
  • drei- bis fünflappige, grob gezähnte Blätter
  • eine raue, fast etwas kratzige Blattoberfläche
  • kräftiges Wachstum von mehreren Metern innerhalb eines Sommers
  • grünliche, zapfenartige weibliche Blütenstände

Hopfen kann drei bis sechs Meter hoch klettern, Kultursorten sogar deutlich höher. Seine Triebe winden sich im Uhrzeigersinn um Äste, Zäune oder andere Pflanzen. (FloraWeb)

Männlicher oder weiblicher Hopfen?

Hopfen ist zweihäusig. Das bedeutet: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen.

Und sie sehen zur Blütezeit deutlich unterschiedlich aus.

Die männlichen Blüten stehen in lockeren, verzweigten Rispen und wirken eher unscheinbar.

Auf dem Foto sind die männlichen Blüten des Hopfens zu sehen. Sie hängen in lockeren, verzweigten Rispen am Stängel und bestehen aus vielen kleinen, hellgrün bis gelblich gefärbten Einzelblüten mit deutlich sichtbaren Staubblättern.

Foto: AnRo0002

Die weiblichen Blüten entwickeln dagegen die typischen hellgrünen, zapfenartigen Blütenstände, die wir als Hopfenzapfen kennen.

Auf dem Foto ist die weibliche Blüte des Hopfens zu sehen. Sie sitzt dicht am Trieb und besteht aus kleinen grünen Blättchen, aus denen feine, helle, fadenförmige Narben herausragen. Aus diesen Blüten entwickeln sich später die typischen Hopfenzapfen.

Für die Pflanzenheilkunde werden die weiblichen Blütenstände verwendet.

Auf ihrer Innenseite sitzen zahlreiche kleine gelbliche Drüsen. Darin befindet sich das sogenannte Lupulin – ein aromatisch duftendes, harziges Pulver, das einen großen Teil der charakteristischen Hopfenstoffe enthält.

Makroaufnahme eines geöffneten grünen Hopfenzapfens: Zwischen den weichen, hellgrünen Schuppen sitzen zahlreiche leuchtend gelbe, körnchenartige Lupulindrüsen, die im Sonnenlicht deutlich sichtbar sind.

Lupulindrüsen

Ein Verwandter des Hanfs

Botanisch gehört Hopfen zur Familie der Hanfgewächse.

Das überrascht viele, wenn sie die Pflanze zum ersten Mal genauer kennenlernen.

Doch Hopfen und Hanf sind trotz ihrer Verwandtschaft völlig unterschiedliche Pflanzen. Hopfen enthält kein THC in einer für Cannabis typischen Zusammensetzung und besitzt keine berauschende Wirkung wie Cannabis.

Seine besondere Stärke liegt vielmehr in seinen Bitterstoffen und ätherischen Bestandteilen.

Warum riecht Hopfen so besonders?

Nimm einmal einen reifen Hopfenzapfen zwischen die Finger und reibe ihn ganz vorsichtig.

Schon nach kurzer Zeit entsteht dieser unverwechselbare Duft: würzig, harzig, etwas herb und manchmal beinahe fruchtig.

Im Inneren siehst du möglicherweise sogar das gelbliche Lupulin an deinen Fingern.

Genau dort befinden sich viele der Stoffe, die Hopfen sowohl für das Bierbrauen als auch für die Pflanzenheilkunde interessant machen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

Hopfenzapfen enthalten unter anderem:

  • Bitterstoffe, vor allem Alpha- und Betasäuren
  • ätherisches Öl
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Harze

Die Zusammensetzung kann je nach Hopfensorte, Anbaugebiet und Erntezeitpunkt deutlich schwanken.

Einige dieser Inhaltsstoffe werden heute intensiv erforscht. Besonders interessant sind dabei die Bitterstoffe, das ätherische Öl und verschiedene Flavonoide. (PubMed)

Hopfen in der Volksheilkunde

Schon lange bevor wir Schlaflabor und Neurotransmitter kannten, beobachteten Menschen eine besondere Eigenschaft des Hopfens:

Er scheint Ruhe in einen unruhigen Abend zu bringen.

Traditionell wurden Hopfenzapfen verwendet bei:

  • nervöser Unruhe
  • innerer Anspannung
  • Schwierigkeiten beim Einschlafen
  • unruhigem Schlaf

Diese Verwendung hat sich bis heute erhalten. Auch moderne pflanzliche Arzneimittel kombinieren Hopfen häufig mit Baldrian. Die traditionelle Anwendung des Hopfens bei leichter nervöser Anspannung und zur Unterstützung des Schlafes ist gut dokumentiert.

Hopfen – eine Pflanze für den Abend

Hopfen ist für mich keine Pflanze für den hektischen Vormittag.

Er gehört zum Abend.

Zu dem Moment, an dem der Tag langsam leiser werden darf.

Gerade wenn der Körper eigentlich müde ist, der Kopf aber noch weiterarbeitet, wird Hopfen traditionell als beruhigende Begleitung verwendet.

Dabei ist er kein starkes Schlafmittel. Seine Bedeutung liegt vielmehr in der sanften Unterstützung des Zur-Ruhe-Kommens.

Die klinische Forschung zu Hopfen allein ist noch begrenzt. Es gibt aber interessante experimentelle Hinweise auf schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften verschiedener Hopfenextrakte. (PubMed)

Hopfentee für den Abend

Hopfen lässt sich sehr einfach als Tee verwenden.

Zutaten

  • etwa ½–1 Teelöffel getrocknete Hopfenzapfen
  • 150–200 ml heißes Wasser

Zubereitung

Die Hopfenzapfen mit heißem Wasser übergießen und zugedeckt etwa zehn Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.

Der Geschmack ist deutlich bitter.

Gerade deshalb wird Hopfen häufig mit milderen und aromatischeren Pflanzen kombiniert.

Meine Mischung für einen ruhigen Abend
Eine schöne Kombination ist:

  • 20 g Hopfenzapfen
  • 30 g Melissenblätter
  • 30 g Passionsblumenkraut
  • 20 g Lavendelblüten

 

Einen Teelöffel der Mischung mit etwa 200 ml heißem Wasser übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Etwa eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen langsam trinken.

Das Hopfenkissen – Schlafkräuter ohne Tee

Eine besonders schöne alte Anwendung ist das Hopfenkissen.

Dafür werden getrocknete Hopfenzapfen in ein kleines Stoffkissen gefüllt und neben das Kopfkissen gelegt.

Traditionell sollen die aromatischen Bestandteile des Hopfens beim Einschlafen unterstützen.

Solche Schlafkissen gehören seit langer Zeit zur Volksheilkunde. Sie wurden und werden häufig mit anderen duftenden Pflanzen kombiniert, zum Beispiel mit:

  • Lavendel
  • Melisse
  • Waldmeister

Wissenschaftlich ist die Wirkung solcher Kräuterkissen nur wenig untersucht. Gerade als Abendritual kann der Duft jedoch etwas sehr Beruhigendes haben. (PubMed)

Warum steckt Hopfen im Bier?

Hopfen besitzt starke Bitterstoffe und ein charakteristisches Aroma.

Beim Bierbrauen sorgt er deshalb für:

  • die typische Bitterkeit
  • das Aroma
  • und einen Teil der Haltbarkeit

Doch es wäre schade, Hopfen nur auf Bier zu reduzieren.

Seine Verwendung als Heilpflanze und Lebensmittel reicht weit über das Brauen hinaus.

Kann man Hopfen essen?

Ja – und dabei sind nicht nur die Zapfen interessant.

Im Frühjahr können die jungen Hopfentriebe geerntet werden. Sie werden manchmal auch als „Hopfenspargel“ bezeichnet.

 

junge Hopfentriebe

Die zarten Spitzen können kurz gedünstet, blanchiert oder ähnlich wie grüner Spargel verwendet werden.

Ihr Geschmack ist leicht herb und würzig.

Die Royal Horticultural Society führt junge Hopfentriebe ausdrücklich als essbar und zum Kochen geeignet. (RHS)

Wann werden Hopfenzapfen geerntet?

Die Erntezeit liegt meist im Spätsommer – etwa von August bis September.

Der richtige Zeitpunkt lässt sich gut fühlen und riechen.

Reife Hopfenzapfen:

  • sind hellgrün bis gelblich-grün
  • fühlen sich trocken und papierartig an
  • federn beim Zusammendrücken leicht zurück
  • duften intensiv aromatisch
  • zeigen im Inneren deutlich gelbes Lupulin

Sind die Zapfen noch sehr weich und feucht, brauchen sie meist noch etwas Zeit.

Für deine Kräuterapotheke solltest du nur gesunde, saubere Zapfen sammeln.

Hopfen richtig trocknen

Hopfenzapfen enthalten viel Feuchtigkeit und sollten nach der Ernte zügig getrocknet werden.

Breite sie locker und möglichst einlagig aus:

  • an einem luftigen Ort
  • im Schatten
  • nicht in direkter Sonne
  • regelmäßig wenden

Sie sind ausreichend trocken, wenn sie sich leicht und papierartig anfühlen.

Anschließend dunkel und trocken lagern, denn Aroma und Inhaltsstoffe verändern sich bei längerer oder ungünstiger Lagerung.

Wo wächst wilder Hopfen?

Hopfen liebt nährstoffreiche und eher feuchte Standorte.

Du findest ihn häufig:

  • an Flussufern
  • in Auwäldern
  • an feuchten Waldrändern
  • in Gebüschen
  • an Hecken
  • entlang von Zäunen

Besonders gerne benutzt er andere Pflanzen als natürliche Rankhilfe.

Manchmal sieht man im Spätsommer ganze Büsche, die scheinbar von einer grünen Hopfendecke überzogen sind.

In Deutschland ist der Gewöhnliche Hopfen weit verbreitet. (FloraWeb)

Was ist bei Hopfen zu beachten?

Weil Hopfen beruhigend wirken kann, sollte man zunächst beobachten, wie man persönlich darauf reagiert.

Nach der Einnahme können Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Besonders bei gleichzeitig verwendeten beruhigenden oder schlaffördernden Medikamenten ist Vorsicht sinnvoll.

Auch während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Hopfen nicht ohne fachliche Rücksprache arzneilich verwendet werden.

Interessant ist außerdem, dass Hopfen Pflanzenstoffe mit östrogenähnlicher Aktivität enthält. Besonders 8-Prenylnaringenin wird wegen seiner ausgeprägten phytoöstrogenen Eigenschaften erforscht. Welche Bedeutung dies bei üblichen Teemengen besitzt, lässt sich daraus jedoch nicht einfach ableiten. (PubMed)

Was sagt die Forschung?

Hopfen ist längst nicht vollständig erforscht.

Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem mit:

  • Bitterstoffen wie Humulon
  • dem Flavonoid Xanthohumol
  • ätherischen Bestandteilen
  • möglichen Einflüssen auf das Nervensystem
  • möglichen schlaffördernden Mechanismen

Labor- und Tierstudien liefern interessante Hinweise darauf, dass verschiedene Hopfenstoffe an Prozessen beteiligt sein könnten, die mit Ruhe und Schlaf zusammenhängen.

Bei Menschen ist die Datenlage zu Hopfen allein jedoch noch überschaubar. Besser untersucht sind teilweise Kombinationen aus Baldrian und Hopfen.

Deshalb passt beim Hopfen besonders gut der Satz:

Altes Pflanzenwissen trifft auf eine Pflanze, die der Forschung noch immer viele Fragen stellt. (PubMed)

Mein Tipp

Wenn du im August Hopfen findest, öffne einmal vorsichtig einen weiblichen Zapfen.

Schau hinein.

Zwischen den papierartigen Schuppen sitzt das goldgelbe Lupulin. Reibe anschließend nur wenig davon zwischen den Fingern und rieche daran.

So lernst du Hopfen ganz anders kennen als aus einem Teebeutel oder einer Bierflasche.

Plötzlich wird aus einer wuchernden Kletterpflanze eine Pflanze mit einem ganz eigenen Duft, einer langen Geschichte und einer erstaunlichen Verbindung zu Ruhe und Schlaf.

Hopfen ist eine Pflanze voller Gegensätze. Er wächst kraftvoll und schnell, windet sich meterhoch durch Gebüsche – und wird gleichzeitig seit Jahrhunderten mit Ruhe und Schlaf verbunden. Wir kennen ihn als Bierpflanze. Doch seine weiblichen Blütenstände gehören ebenso in die traditionelle Kräuterkunde. Vielleicht lohnt es sich deshalb gerade jetzt im Spätsommer, einmal nach wildem Hopfen Ausschau zu halten. Nicht für das nächste Bier. Sondern um eine alte Heilpflanze neu kennenzulernen.

 

Häufige Fragen zum Hopfen

Welcher Teil des Hopfens wird als Heilpflanze verwendet?

Verwendet werden die getrockneten weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen.

Warum werden nur weibliche Hopfenblüten verwendet?

Nur die weiblichen Pflanzen bilden die typischen zapfenartigen Blütenstände mit den zahlreichen Lupulindrüsen, die reich an Bitterstoffen, Harzen und aromatischen Bestandteilen sind.

Wann kann man Hopfen ernten?

Die weiblichen Hopfenzapfen werden meist im August und September geerntet, wenn sie trocken-papierartig werden, kräftig duften und im Inneren reichlich gelbes Lupulin zeigen.

Hilft Hopfen beim Einschlafen?

Hopfen wird traditionell bei leichter nervöser Unruhe und zur Unterstützung des Schlafes verwendet. Die Forschung liefert interessante Hinweise, die klinische Studienlage zu Hopfen allein ist jedoch noch begrenzt. (European Medicines Agency (EMA))

Kann man wilden Hopfen verwenden?

Ja, wenn die Pflanze sicher als Humulus lupulus bestimmt wurde und gesunde weibliche Blütenstände gesammelt werden. An stark befahrenen Straßen oder belasteten Standorten sollte nicht gesammelt werden.

Was ist Lupulin?

Lupulin ist das gelbliche, harzige Drüsensekret im Inneren der weiblichen Hopfenzapfen. Es enthält unter anderem Bitterstoffe und Bestandteile des ätherischen Öls.

Kann man Hopfen essen?

Die jungen Frühjahrstriebe können gekocht als Gemüse gegessen werden. Die ausgewachsenen Zapfen sind wegen ihrer starken Bitterkeit kulinarisch deutlich weniger interessant. (RHS)

Warum wird Hopfen oft mit Baldrian kombiniert?

Beide Pflanzen besitzen eine lange Tradition bei nervöser Unruhe und Schlafproblemen. Deshalb findet man sie häufig gemeinsam in Tees und pflanzlichen Fertigpräparaten. Für bestimmte Baldrian-Hopfen-Kombinationen liegen auch klinische Untersuchungen vor.

Rezepte mit Hopfen:

Hopfen-Omelette mit Wildkräutern

Gebackener Hopfen

Eingelegte Hopfensprossen

Pasta mit jungen Hopfentrieben

 

Quellen

  • Wichtl, M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka
  • Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen
  • FloraWeb: Humulus lupulus L. – Gewöhnlicher Hopfen
  • Royal Botanic Gardens, Kew: Humulus lupulus L.
  • European Medicines Agency: Fachunterlagen zu Lupuli flos
  • Zanoli, P.; Zavatti, M. (2008): Pharmacognostic and pharmacological profile of Humulus lupulus L.
  • Karabín, M. et al. (2016): Biologically Active Compounds from Hops and Prospects for Their Use
  • Aktuelle Forschungsarbeiten zu Hopfen, Bitterstoffen und Schlafmechanismen

 

 

 

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