Ginkgo, Japanischer Tempelbaum Ginkgo biloba Ginkgo bilobae folium (M)

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Gingko

Gingko

Ginkgo, der älteste Baum der Welt, stammt vermutlich aus China. Seine Entstehung wird auf die Zeit vor 280 — 225 Millionen Jahren geschätzt, oder bis zum Beginn des pflanzlichen Lebens überhaupt, vor 400 Millionen Jahren – einer Zeit, in der es nur Nacktfarne und noch keine Vögel oder Säugetiere gab. Ginkgo hat Millionen Jahre überlebt; er überdauerte zu Urzeiten Katastrophen unbeschadet und am 6. August 1945 die Atombombenexplosion in Hiroshima: Ein stattlicher Ginkgo stand nur 800 m vom Explosions­zentrum entfernt und schien wie alles andere Lebende dem Untergang geweiht. Doch im nächsten Früh­jahr trieb aus seinem Stamm neues hoffnungsvolles Grün: Ginkgo – ein Symbol der Unbesiegbarkeit, der Hoffnung und des Friedens und der Liebe.

Der deutsche Botaniker und Mediziner ENGELBERT KAEMPFER (1651-1716) entdeckte bei seiner Reise nach Japan den „Tempelbaum” und nannte ihn „Silberaprikose”, was auf japanisch „Ginkyo” heißt. Die Artbezeichnung „biloba” benannte LINKE 1771 nach dem in der Mitte eingeschnitten Blatt: „biloba: zweilappig”. Das zweigeteilte Blatt gilt als Symbol der Einheit. Als im Spätsommer des Jahres 1815 der 66-jährige GOETHE der jungen Gattin Marianne des Bankiers v. WILLEMER begegnete stand sein Herz in Flammen. Auf einem Spaziergang mit ihr sammelte der verliebte Goethe Blätter von Ginkgobäumen.

Die Form faszinierte ihn und ließ ihn in einem spontan darauf entstandenen Gedicht die Frage aufwerfen, ob das zweilappige Blatt als Zeichen der Liebenden „eins und doppelt ist”?

 

„Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut,

gibt geheimen Sinn zu kosten, wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt?

Solche Frage zu erwidern, fand ich wohl den rechten Sinn;

fühlst du nicht an meinen Liedern, dass ich eins und doppelt bin?

Ginkgo ist eine der großen Heilpflanzen neuerer Zeit und hat sich in vielen Studien bewährt als „pflanz­liches Gedächtnisschutzmittel”. Er kann sich in jeder Hinsicht mit synthetischen Antidementiva messen und schneidet hinsichtlich Verträglichkeit und Nebenwirkungen deutlich besser ab.

Inhaltsstoffe: 22-27 % Flavonglykoside, 4-10% Proanthocyanidine, Biflavone, Terpenlaktone, Biloba­lid, 1-2% Ginkgolsäuren.

Wirkungen: Ginkgo fördert die Mikrozirkulation des Blutes, erhöht die Strömungsgeschwindigkeit im Kapillargebiet, verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und bewirkt damit eine deutliche Steigerung des Blutflusses im Gehirn. Ginkgoextrakte verbessern die Gehirnleistung, das Lernvermögen und die Stressadaption, verbessern den zerebralen Energiestoffwechsel und schützen die Hirnzellen vor Hypoxie­ und Ischämiefolgen. Ginkgo stabilisiert die Kapillarpermeabilität und reguliert den Gefäßtonus von Arte­riolen und Venolen. Dadurch wird die Durchblutung bis in die kleinsten Gefäße gesteigert, ebenso der venöse Rückfluss. Auch das Stoffwechselgeschehen wird positiv beeinflusst.

Freie Radikale fördern die Arteriosklerose (s.o.). Die Ginkgoflavonoide besitzen ausgeprägte antioxida­tive Eigenschaften und hemmen daher die Bildung freier Radikale.

Ginkgo wirkt neuroprotektiv, d. h. er schützt die Nerven vor vermehrtem Abbau und zunehmender Zer­störung und hat einen Einfluss auf degenerative Veränderungen zentraler cholinerger Systeme, wie sie bei der Alzheimer Demenz zu beobachten sind.

Ginkgoextrakte entfalten positive Wirkungen auf Sinnesorgane: Die Netzhaut des Auges, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist, reagiert äußerst empfindlich auf Membranschäden, die durch freie Radikale verursacht wurden. Ginkgo bewirkt durch seine membranstabilisierenden Eigenschaften und durch die Verbesserung des Zellstoffwechsels und der Nervenzellregeneration u. a. eine mikrozirkulationsfördernde Wirkung der Innenohrdurchblutung.

Indikationen: Hirnleistungsstörungen, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Schwindel und Tinnitus und zur Verbesserung der peripheren Durchblutung bei funktionellen Herzbeschwerden. Ginkgo wird bevorzugt in der Geriatrie eingesetzt.

Darreichungsformen: Nur in Form von Fertigpräparaten mit standardisierten Extrakten sinnvoll, die mind. 25 % Ginkgo-Flavonglykoside und mind. 6 % Terpenlactone enthalten.

Tagesdosis: Bei der Behandlung des dementiellen Syndroms 120-240 mg, ansonsten 120-160 mg nativer Trockenextrakt in 2-3 Einzeldosen.

Anwendungsdauer: Beim dementiellen Syndrom mind. 8-12 Wochen, bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit mind. 6 Wochen, bei Schwindel und Tinnitus 6-8 Wochen.

Nebenwirkungen: Sehr selten leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, allergische Hautre­aktionen.

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Ginkgo-biloba-Zubereitungen.

Präparate: Duogink 3000 Dragees, Gingium Filmtbl. + Lsg., Gingopret Lösung, Kaveri 50 Tbl., Rökan Plus 80 mg Tbl., Tebonin Tbl.

Teezubereitung: Nicht empfohlen, weil die Ginkgolsäuren allergenes Potential besitzen!

Kommission E: Symptomatische Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts beim dementiellen Syndrom; zur primären Zielgruppe gehören dementielle Syndrome bei primär degenerativer Demenz, vaskuläre Demenz und Mischformen aus beiden.

Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit im Stadium II nach Fontaine (Claudica­tio intermittens) im Rahmen physikalisch-therapeutischer Maßnahmen (v. a. Gehtraining). Schwindel und Tinnitus.