Wegwarte, die verzauberte Prinzessin

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Sucht man die Wegwarte am Nachmittag oder bei bewölktem Himmel, kann man sie leicht übersehen. In den sonnigen Stunden säumt sie mit ihren leuchtend blauen Blüten den Weg, doch lässt die Sonne sich nicht sehen, zeigt sie nur noch ihre kantigen, rauh behaarten Stängel.

Die bis zu einem Meter hoch wachsenden sparrigen  Stängel sind mit unscheinbaren Blättern versehen, so dass die Pflanze sich fast unserem Blick entzieht. Am Boden breitet sie eine Blattrosette aus, die entfernt an Löwenzahn erinnert.

Wo sind nun die hübschen blauen, manchmal rosa oder weiß erscheinenden Blüten geblieben? Die Wegwarte öffnet ihre Blüten nur am Vormittag und im Sonnenschein. Ihre Köpfe dreht sie nach der Sonne.

Die Pflanze ist komplett von einem bitteren Milchsaft durchzogen, ein sicheres Erkennungsmerkmal.

Die Wegwarte verankert sich mit ihrer spindelförmig wachsenden langen Wurzel in der Erde. Sie mag lehmige Böden und lässt sich gerne an Wegrändern und Böschungen, auf Brach- und Ödland nieder. 

Am staubigen Feldweg die Wegwarte – schau!

                               Die leuchtenden Blüten wie der Himmel so blau.                                                                                                                                                                                                                                                          Cicely Mary Barker

Muckefuck oder bitterer Salat

In Frankreich wurde die Wegwarte bereits im 19. Jahrundert als Kaffeeersatz verwendet, im 20. Jahrhundert entdeckte man sie in Deutschland. Auslöser für die Verwendung waren meist Kriege oder arme Zeiten.

Auch heute gibt es noch den koffeinfreien Kaffeeersatz im Handel. Meist wird er als Mischung mit anderen Getreidesorten wie Gerste und Roggen angeboten. Bei uns sicher das bekannteste Produkt ist der Carokaffee oder Incarom.

Den Namen Muckefuck bekam der Kaffeeersatz übrigens von den Franzosen. Sie nannten ihn “mocca faux”, was übersetzt “falscher Mocca” heißt. (siehe Herstellung Zichorienkaffee).

Der heutige Chicoreesalat wurde dann zufällig entdeckt. Belgische Bauern legten die überschüssigen Wegwartenwurzeln zum Überwintern in ihr Gewächshaus. Diese trieben aus. Sie probierten die kräftigen weichen Knospen und entwickelten die Pflanze weiter. Heute kennen wir sie als Chicoree (cichorium endivia), auch der Zuckerhut und der Radiccio entspringen dieser Entwicklung.

Die jungen Blätter der Wegwarte können wir als  Salatzutat essen. Als Jungpflanze hat sie noch wenig Bitterstoffe.

Sagen und Legenden

In vielen Märchen und Sagen gilt die Wegwarte als Sinnbild der treuen Liebe. Brav steht die Prinzessin in ihrem zart-blauen Kleid am Wegesrand und wartet auf die Rückkehr des Geliebten.

Junge Mädchen steckten die Knospen der Wegwarte an ihr Mieder. Öffnete sich die Blüte war die Hoffende sicher, dass der ersehnte Jüngling bald kommt.

Etwas komplizierter war das Prozedere, dass man am St. Peterstag vollzog. Die Wurzel der Wegwarte musste mit einem Hirschgeweih ausgegraben werden, denn die Pflanze durfte nur von einem Sonnengleichen berührt werden. Der Hirsch symbolisiert den Sonnengott in Tiergestalt. Berührte man dann mit der Pflanze die gewünschte Person, musste sie in Liebe entbrennen.

weiße Wegwarte

weiße Wegwarte

Den seltenen weißen Wegwartenblüten sagte man große Zauberkräfte nach. Ihre Wurzel wurde als Schutz vor Gefahren und Verletzungen eingesetzt und sollte denTräger unsichtbar machen.

Unter das Leinentuch einer Schwangeren gelegt, sollte die Blüte die Geburt erleichtern. Pulverisiert dem Essen des Gemahls beigefügt, war dieser gleich vor Fehltritten gefeit.

 

Die Wegwarte gehört zu den Pflanzen für eine Blumenuhr

Carl von Linné (* 20. Januar 1741 in Falun; † 1. November 1783 in Uppsala), leidenschaftlicher Botaniker, nach dessen Vorgaben die heutige Nomenkaltur angelegt wurde, nahm die Wegwarte mit in die Blumenuhr im botanische Garten von Uppsala auf, da sie zwischen fünf und elf Uhr ihre Blütezeit hat. Danach schließt sie sich oder verblüht.

Heute ist diese Rhythmik scheinbar durch elekromagnetische Felder gestört. In ländlichen Gegenden kann man den Sonnenbezug jedoch noch gut beobachten.

Heilende Anwendungen

Durch ihre zarte Bitterkeit eignet sich die Wegwarte besonders bei Kindern als sanftes Bittermittel.

In Kombination mit Löwenzahn wird sie gerne als Amarum, also als Bittermittel für Magen-Darm und zur Kräftigung eingesetzt .

Die ganze Pflanze wirkt  anregend auf den Stoffwechsel und kann gut für eine Frühjahrskur verwendet werden. Sie fördert eine bessere Kaliumaufnahme und kann so einen Mangel ausgleichen. (siehe Anwendung).

Die Kommission E empfiehlt die Wegwarte bei Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden . Die Volksmedizin schätzt jedoch noch weitere Eigenschaften.

So gilt sie als:

  • appetitanregend
  • cholagog (gallenflussanregend)
  • cholesterinsenkend
  • leicht blutgerinnungsfördernd
  • wundheilungsfördernd
  • leberschützend
  • teilweise entzündungshemmend
  • teilweise antibakteriell
  • schwach schmerzlindernd

 

Hier geht´s zu den Rezepten

Wegwarten-Tee bei Milz- und Magenbeschwerden

Wegwarten-Honig bei Milz- und Magenbeschwerden

Wegwarten-Sirup zur bei Leberstärkung und bei Fieber

Wegwarten-Arzneiwein

Teemischung bei Anämie (Blutarmut)

 Großer Blutreinigungstee

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